Oct 31
Man muss nicht einer Meinung sein, um Solidarität zu zeigen. Man
muss nicht immer den Tonfall unterstützen, um einen Angriff auf
die Verhältnismäßigkeit zu erkennen. Man muss nicht jede Aussage
in ihrem Inhalt gutheißen, um das Attest staatlicher Repression
auszustellen. Die Verhaftung von Dr. Paul ...Read more
Man muss nicht einer Meinung sein, um Solidarität zu zeigen. Man
muss nicht immer den Tonfall unterstützen, um einen Angriff auf
die Verhältnismäßigkeit zu erkennen. Man muss nicht jede Aussage
in ihrem Inhalt gutheißen, um das Attest staatlicher Repression
auszustellen. Die Verhaftung von Dr. Paul Brandenburg markiert
eine massive Zäsur im autoritären Drama. Nun wird also plakativ
abgeführt und medienwirksam in Zellen gesteckt, wegen
Äußerungsdelikten. Angeblich soll Fluchtgefahr bestehen, obwohl
der Arzt und Unternehmer sein Kind regelhaft nach Berlin bringt.
Trotzdem nutzte ein Lakai von Tyrannis und Despotie seine
Befehlsgewalt. Völlig unabhängig der politischen Einstellung,
kommt der verstandsmäßige Beobachter kaum umhin, in diesem Akt
der Willkür einen Angriff auf geltende Grundrechte und
demokratische Prinzipien zu sehen. Unbestritten kann man die
Ausdrucksweise anprangern, welche für den Autor kennzeichnend
und stilbildend ist. Und selbstverständlich bleibt es legitim,
auch mit Blick auf die nun aktuell im Raum stehenden Vorwürfe zu
dem Schluss zu kommen, dass die Prädikate derb waren, welche er
dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner im Zusammenhang mit der
wegen des Besitzes von Jugendpornografie schuldig gesprochenen
"Jurassica Parka" vor den Latz knallte. Doch die Frage
ist weniger, was man von diesem Tenor hält. Sondern was in einem
Land als angemessen gilt, dessen Justiz und Exekutive es nicht
schaffen, rund 148.000 gesuchte Personen dingfest zu machen,
denen unter anderem Mord, Totschlag, gefährliche
Körperverletzung, Diebstahl, Betrug und Volksverhetzung zur Last
gelegt werden. Darunter insgesamt 94 Gefährder, 88 Prozent aller
Abgetauchten haben - ganz nebenbei erwähnt - keinen deutschen
Pass. Da brauchte es offenbar wieder einmal eine Erfolgsmeldung,
ein Familienvater muss herhalten, weil er aussprach, was viele
denken, aber sich nicht mehr zu sagen getrauen, eine Schere im
Kopf haben. Mut und Courage sind zum Risiko geworden,
Rechtsanwalt Markus Haintz hat auf der Plattform X akribisch
aufgelistet, worum es im Fall letztlich geht. Vier Beiträge in
den sozialen Medien, die § 185 StGB erfüllen sollen, zwei
weitere nach § 188 Abs. 2 StGB. "Crimen laesae
maiestatis", wie es im Lateinischen heißt, die
Verunglimpfung der Elite, Beleidigung von Politikern, deren
Wirken vermeintlich erschwert wird, all das erfährt seit 2021
eine Qualifikation, kann seither leichter geahndet werden, ohne
Antrag, als schlecht gedachter Ehrschutz, für den Zweck von
Verfahrensinszenierung, Machtdemonstration und Schauprozessen
missbraucht. Der Einschüchterungseffekt soll Selbstzensur
fördern, von Konspiration oder Narrativ kann längst keine Rede
mehr sein, weil von Instrumentalisierung der Gerichtsbarkeit
gesprochen werden muss. Prioritäten haben sich verschoben, da
man dort nicht durchgreifen kann, wo das System wegen
Überforderung, Verzettelung und Bürokratie längst die Kontrolle
verloren hat, vielleicht auch zum Duckmäuser wurde, gegenüber
Terroristen, Clans und Kriminellen. Es war gefühlt erst
kürzlich, da fabulierte der einstige Minister Buschmann:
"Eine Beklommenheit im Kommunikationsverhalten aber ist
einer freien und offenen Gesellschaft, die wir doch sein wollen,
unwürdig". Abführen, einkerkern und in der JVA Moabit
schmoren lassen. Orwell müsste radieren und ausbessern, seine
Dystopie umschreiben, wüsste er darum, dass die Realität seine
Erzählung in den Schatten stellt. Hier braucht es keine
Opferrollen, die Symbolwirkung lässt keinen Zweifel mehr, wie
heuchlerisch und offenbarend das Kuratel mittlerweile agiert,
wird ihr Weltbild von Toleranz ins Wanken gebracht, ohne Allüren
thematisiert, dass die queere Aristokratie eine mit bürgerlichem
Namen Mario Olszinski geführte "Dragqueen" aus der
Schusslinie nimmt, welche laut Urteil "eine Industrie
unterstützt" habe, "die unsägliches Leid für Kinder
verursacht".