Oct 28
Die Einen fragen im Augenblick die KI danach, wo sie politisch
stehen. Die Anderen wechseln innerhalb von Stunden die
ideologische Haltung wie sonstige Leute ihre Kleider. Ich selbst
war in meinem Leben nie extrem weit links, aber doch dem
sogenannten "progressiven Spektrum" zugeneigt. Spät,
aber no...Read more
Die Einen fragen im Augenblick die KI danach, wo sie politisch
stehen. Die Anderen wechseln innerhalb von Stunden die
ideologische Haltung wie sonstige Leute ihre Kleider. Ich selbst
war in meinem Leben nie extrem weit links, aber doch dem
sogenannten "progressiven Spektrum" zugeneigt. Spät,
aber noch früh genug, gelang mir der praktische
Erkenntnisgewinn, aus einem täglichen Umgang mit Grünen und
Genossen, um die 2020er-Jahre. Insbesondere abgeschreckt von
einem naiven Blick auf die zunehmende Überfremdung in diesem
Land, hatte ich den ernüchterten Schlussstrich unter meine
Tätigkeit als Integrationsberater im Handgepäck, machte mich auf
den Weg, konservative Wurzeln freizulegen, mich nicht länger der
Kontaktscham hinzugeben. Die Annäherung an die AfD folgte
sukzessive, dann aber doch recht plötzlich, als ich in den
digitalen Medien erstmalig direkten Kontakt mit ihren
Parteivertretern hatte. Einer gewissen schulischen Bildung
entstammend, des groben Lesens und Verstehens mächtig, war ich
in der Lage, deren Programm zu begreifen, statt nur darüber zu
spekulieren. Wie weit rechts ich heute stehe, das mag eine Skala
von 0 bis 100 groborientierend aussagen. Ich selbst sehe mich
als Rationalist und Pragmatiker, der sich längst nicht mehr
blenden lässt, ob als Journalist oder Privatperson. Der
"Tagesschau" einst entsagt, Hape Kerkeling noch nie
als besonders witzig empfunden, habe ich weder Sympathien für
Hitler, noch begegnet er mir täglich an der Straßenecke.
Abschiebungen sehe ich als die notwendige Konsequenz aus dem
Gedanken unserer Gründungsväter, Asyl sei lediglich Schutz auf
Zeit. Ich schäme mich nicht, ein Stadtbild einzufordern, in dem
ich mich wiederfinde. Heimat bedeutet auch, im Gegenüber eine
gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. Kulturelle Identität geht
einher mit der mahnenden Erinnerung an damals, aber ohne die
Übernahme von Schuld für etwas, das vierzig Jahre vor meiner
Geburt stattfand. Weil ich freitags um halb eins in Geschichte
mehr als nur körperlich anwesend war, sind mir die Unterschiede
zwischen Alternative für Deutschland und NSDAP wohlbekannt. Ich
vermag aktuell keine Parallelen zu 1933 erkennen, wohl aber zu
1984. Die bürgerliche Mitte hat ausgedient, es braucht
Bekenntnisse. Gerade als schwuler Mann würde ich in meinem
Garten, hätte ich denn einen, ausschließlich Schwarz-Rot-Gold
hissen. Gleiches erwarte ich vor jedem Schulgebäude, an Behörden
und auf dem Bundestag. Wer den Regenbogen zu seiner Fahne
erklärt, hat entweder zu viel gebechert oder den Knall nicht
gehört. Die Dystopie beschreibt eine Zukunft unter Sichel und
Halbmond, ohne Polizisten, aber voller Moscheen. Ganz so weit
entfernt scheint sie dieser Tage nur noch dort, wo man sich als
Volk einer neuen Wende besinnt. Messerstiche sind kein
Einzelfall, der Tugendterror allenfalls ein Pseudonym. Denn die
Tyrannei der Moral hat Schleusen geöffnet, die Grenzen fallen
gelassen. Freiheit verkommt zur schlichten Makulatur, Demokratie
zur bloßen Verhandlungsmasse. Ich habe zwar Parkinson, aber
meine Gesinnung wackelt längst nicht mehr. Was soll ich mich
grämen ob der Forderung nach Remigration, bin ich mir doch im
Klaren darüber, dass nicht die fleißige Pflegekraft aus
Osteuropa, sondern der Zertifikateschwindler aus dem vorderen
Orient gemeint ist. Bürgergeld gilt den Bedürftigen, Pflegegeld
den Schwachen. Ich habe meine soziale Ader nie verloren, wohl
aber meine Geduld mit dieser Regierung. Wer mir deshalb die
Delegitimierung des Staates unterstellt, möge als
obrigkeitsgläubiger Konformist glücklich werden. Und auch den
Klimatrunkenen mein Beileid, ein Schelm, wer bei virusbedingten
Grundrechtseinschränkungen, alternativlosem ÖRR oder
friedensdienlicher Ukraine-Loyalität Böses denkt.